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Bericht des Anamed-Seminars vom 19. - 25. Juli 2009 in Yaoundé, Kamerun
Von Tchigankong Désiré
Einführung
Kamerun ist eines der wichtigsten Zielländer Anameds geworden. Im Zeitraum von vier Jahren wurden dort bereits drei Seminare an sehr unterschiedlichen Orten durchgeführt.
Nach dem Einführungsseminar, das im Mai 2005 in Kumba im Nordwesten Kameruns stattgefunden hat und dem in Bamenda, das ein Jahr später abgehalten wurde, wurde aufgrund des großen Enthusiasmus der Teilnehmenden für die Relevanz der Arbeit dieser Organisation ein weiteres Seminar geplant, das diesmal im frankophonen Teil Kameruns stattfinden sollte, um auch dort einen breiteren Zugang zu den Kenntnissen Anameds zu ermöglichen. Aus diesem Grund wurde Yaoundé, die Landeshauptstadt für das dritte große Seminar von Ananmed International in Kamerun ausgewählt.
Das Seminar wurde von Pastor Ngnitedem Samuel und der Nonne Schwester Ann-Emmanuel Kinyuy organisiert und inhaltlich geleitet von Dr. Hans-Martin Hirt unter der Assistenz von Tchigankong Désiré.
1. Zum Auftakt des Seminars
Vor Beginn des Seminars in Yaoundé wurde am 11. und 12. Juli 2009 im Kloster von Mbengwi ein Treffen abgehalten, bei dem die Aktivitäten von Anamed Kamerun bilanziert wurden. Teilgenommen haben Mitglieder von Anamed aus ganz Kamerun, vor allem aus Kumbo, Bamenda und Yaoundé. Es ergab sich eine Notwendigkeit und Dringlichkeit, das Anamed Büro neu zu strukturieren. Somit wurde ein neues Büro von Anamed Kamerun gebildet, das seinen Sitz nun in Bamenda hat. Dieses Exekutivbüro ist folgendermaßen aufgebaut:
Nationale Präsidentin: Schwester Ann-Emmanuel Kinyuy
Nationale Vizepräsidentin: Frau Kuété Louise
Sekretärin: Frau Foquo Suzy
Projektkoordinator: Pastor Ngnitedem Samuel
Berater: Herr Litika Boniface, Priester Tangka Joe
Nach diesen Umstrukturierungen war Anamed Kamerun bereit für die Durchführung des eigentlichen Seminars in Youndé.
2. Das eigentliche Seminar
2.1 Hygiene
Es ist typisch für die Seminare von Anamed, dass stets ein starker Akzent auf die Regeln der Hygiene bei der Abfallbeseitigung im Haushalt gelegt wird. Das Seminar in Yaoundé bildete dabei keine Ausnahme. Dr. Hirt führte die Seminarteilnehmenden in die betreffenden Regeln ein und empfahl, den Seminarort stets sauber und ordentlich zu halten. Die Abfallbeseitigung sollte stets drei Dinge beinhalten: einen verschließbaren Eimer für organische Abfälle, einen ebensolchen Eimer für Papier und einen für Metall und Plastik.
Es wurden auch einige Aspekte über das Leben in Gemeinschaft angesprochen, den verantwortlichen Umgang mit Wasser, das Ausschalten der Mobiltelephone während der Seminarzeit und die Bitte, pünktlich und regelmäßig zu erscheinen.
2.2 Die Lektüre biblischer Texte
Die Seminartage wurden jeweils mit der Lektüre und Interpretation von Bibelversen begonnen, die auf immer wieder aktuelle Fragestellungen wie Mitgefühl, Sympathie, Opferbereitschaft hinwiesen (vgl. Lukas 10, 25-39), oder die Tatsache, dass ein Leben nach dem Beispiel Jesu die gute Nachricht weiterverbreite, Hungrige ernähre und Kranke heile (Luk. 10, 10-17). Ein besonderer Akzent wurde auf die Afrikaner gelegt, ihre Stärken und die Heilpflanzen, die in der Bibel in Jeremias 38, 7 erwähnt werden, wo beschrieben wird, dass die Menschen in Afrika tugendhaft, mutig und besorgt um das Wohl ihres Nächsten sind.
Dr. Hirt machte anhand biblischer Texte deutlich, dass es wenig Erfolg zeigen wird, die Krankheiten anderer Menschen zu heilen, wenn man ihnen keine Liebe entgegenbringt und wenn man sich nicht in sie hineinversetzt, um ihre Leiden nachvollziehen zu können. Die Nächstenliebe muss jedem Heilungsprozess vorangehen, inspiriert an Jesus Christus, der zur Heilung von Kranken natürliche Elemente benutzte, die er vor Ort vorfand, in einer präzisen Dosierung ohne Verschwendung.
In der Bibel gibt es zahlreiche Beispiele für den Gebrauch von Heilpflanzen, was deutlich zeigt, dass Gott diese Pflanzen zum Wohle der Menschen geschaffen hat. Aus der Lektüre von Ezechiël 34 wird klar, dass Pflanzen einerseits als Nahrung und als Baustoffe für unsere Behausungen aber andererseits auch als Heilmittel gedacht sind. Sie sind eine bedeutende Quelle der Heilung.
Außerdem empfiehlt uns die Bibel vor allem, stets darauf zu achten, gesund zu bleiben sowie Glauben und Hoffnung zu entwickeln und jede Sache, jedes Geschehen als ein Ausdruck Gottes zu sehen, der mit Freude aufgenommen werden sollte. Denn ein fröhliches Herz ist offen für Wunder und Hoffnung, wohingegen ein trauriges Herz an den Knochen zehrt und krank macht.
Das Ziel war Bibellektüre war vor allem, die Teilnehmenden zu sensibilisieren und auf ihre Verantwortung hinzuweisen bezüglich der Entwicklung des Lebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen und sie vor allem auch dazu einzuladen, sich stets zuerst um das Wohl des Patienten zu sorgen, bevor sie sich um ihr eigenes sorgen.
2.3 Natürliche Medizin und vorbeugende Medizin
Die Debatte darüber, was die natürliche Medizin ausmacht, wurde von Tchigankong Désiré geführt. Es handelt sich dabei um eine Kombination der Vorteile aus der als modern und der als traditionell betrachteten Medizin.
Bezüglich der vorbeugenden Medizin erklärte Herr Tchigankong, dass es zwar wichtig ist, Krankheiten zu behandeln, dass es aber noch wichtiger ist, gar nicht erst krank zu werden. Um dies zu erreichen, müssen vor allem einige Regeln hinsichtlich der Hygiene beachtet werden. Dazu sollte besonders beachtet werden, dass die eigene Wohnung sowie die nähere Umgebung ausreichend sauber sind und dass weder stehendes Wasser noch Müll in der Nähe sind. Den Seminarteilnehmenden wurde erklärt, dass Übergewicht kein Zeichen des Wohlstands ist, sondern dass man sorgfältig darauf achten sollte, welche Speisen und Getränke man täglich zu sich nimmt – dies gilt im Besonderen für stark zuckerhaltige Getränke, die Übergewicht und Diabetes fördern. Außerdem wurde empfohlen, sich ausgewogen zu ernähren, fette Nahrungsmittel zu vermeiden, viel Obst und Gemüse zu essen und regelmäßig Sport zu treiben. Schließlich wurde darauf hingewiesen, dass einigen Erfindungen der modernen Welt mit Vorsicht begegnet werden muss, da diese Krankheiten hervorrufen können. Dazu gehören bestimmte Seifen und Cremes. Cremes zur Aufhellung der Haut zum Beispiel können zu Unfruchtbarkeit, Krebs, Einschränkungen der Gehirnfunktionen, Erkrankung der Haut führen und verschmutzen zudem massiv die Umwelt. Die Schäden, die durch Handys entstehen können, wurden auch dargelegt, sowie dermatologische Probleme, die durch das Tragen von Kunstfasern hervorgerufen werden können.
2.4 Studium der Pflanzen und ihrer Heilkräfte
Gegenstand des Seminars war außerdem das Studium der Pflanzen und ihrer wissenschaftlichen Bezeichnungen. Die Teilnehmenden sollten lernen, die wichtigsten Pflanzen auf Bildern zu erkennen und sie sowohl in Latein als auch ihrer jeweiligen Muttersprache zu benennen.
Daraufhin führte Dr. Hirt einen Spaziergang zur Identifikation der Pflanzen in der Umgebung des Seminarorts an und im Garten von Frau Kuété Louise wurde eine mehrstündige Sitzung abgehalten, bei der nicht nur die Heilkräfte der dort wachsenden Pflanzen erklärt wurden, sondern auch die Anpflanzung von Artemisia annua anamed gelehrt wurde, der wichtigsten Pflanze des Seminars.
Zurück im Seminarraum wurde die Klassifikation der Pflanzen in die verschiedenen Arten gelehrt, um das System der Namensgebung besser verständlich zu machen: indica für Pflanzen aus Indien, citratus für Zitronenaroma, annua für einjährige Pflanzen usw. Die Heilkräfte der Pflanzen, wie etwa die der Tamarinde gegen Verstopfung, die Azadirachta indica für Hautprobleme, des Eukalyptus gegen Husten und vieler anderer Pflanzen.
Mehrere Zeitabschnitte beschäftigten sich mit der Pflanze Artemisia annua anamed: den Anbau, die Ernte, das Trocknen und Aufbewahren der Pflanze, sowie der Verwendung zur Behandlung verschiedener Krankheiten.
2.5 Die Herstellung von Medikamenten auf der Basis von Pflanzen
Die Herstellung verschiedener Medikamente auf der Basis von Pflanzen war das Hauptziel des Seminars. Die Seminarteilnehmenden haben Techniken der Pflanzenernte gelernt, Methoden des Trocknens sowie vor allem Möglichkeiten zur Konservierung der pflanzlichen Bestandteile. Dr. Hirt erklärte die Herstellung von pflanzlichen Ölen, Cremes, Säfte und Tinkturen, wobei er die Wichtigkeit der Hygiene und der genauen Dosierung hervorhob. Außerdem wurde erklärt, dass jedes hergestellte Medikament genau mit Namen, Dosierungsanleitung und Haltbarkeitsdatum beschriftet werden muss. So wurden während des Seminars Öle, Rheumasalben, Hustensaft und verschiedene andere Medikamente hergestellt.
Die Herstellung von Zahncreme aus Eukalyptusblättern, des Schwarzen Steins gegen Schlangenbisse, eines Wasserfilters, Seife, Körperlotionen sowie Mitteln gegen Durchfall wurden außerdem praktiziert.
2.6 Gesundheit und Entwicklung
Fragen zur Entwicklung wurden von Herrn Tchigankong im Rahmen eines Vergleichs von zwei Abbildungen afrikanischer Dörfer erläutert.
Auf dem ersten Bild wurde deutlich, dass in allen Gesellschaften Männer und Frauen gemeinsam für das Wohl von Familie und Gemeinschaft arbeiten müssen. Wenn jede Familie den Hygieneregeln den gleichen Respekt zollt, wird das Leben in der Gemeinschaft für alle angenehmer und die Häufigkeit von Krankheitsfällen geht kontinuierlich zurück. Die Arbeit mit der Erde kann eine Quelle der Entwicklung darstellen, wenn Partner, Männer und Frauen, sich um das individuelle und kollektive Wohl sorgen.
Das zweite Bild zeigte ein Gesundheitszentrum, in dem jedem Patient ohne Untersuchung oder Diagnose das gleiche Medikament verschrieben wurde („Kanimix“). Dr. Hirt nahm dieses Bild zum Anlass, die Teilnehmenden dazu aufzufordern einen systematischen Zugang zur Behandlung von Krankheiten zu entwickeln, der sich ganz auf die Untersuchung der Symptome der Patienten konzentriere und zudem verstärkt in Zusammenarbeit mit Laboren zu treten.
Sollten die Teilnehmenden nach dem Seminar zwar in der Lage sein, bestimmte Krankheiten zu heilen, so müssen sie dennoch gut wissen, bis wohin ihr Wissen reicht und wann der Rat eines erfahrenen Arztes vonnöten ist.
3. Diverses
Das Seminar in Yaoundé Iponi war das größte Seminar das anamed in Kamerun je gehalten hat. Fünfzig Personen mit verschiedenen Hintergründen haben daran teilgenommen, von Hausfrauen bis zu bekannten Forschern, die in den Arbeitsgruppen gemeinsam für ihren Alltag lernen konnten.
Ehrwürdige Persönlichkeiten wie Professor Lantum, ein Befürworter der traditionellen Medizin, haben an der Eröffnungszeremonie teilgenommen, sowie auch andere Professoren und Politiker aus dem Umfeld des Ministeriums für Gesundheit und Kultur in Kamerun. Zudem haben Teilnehmende aus anderen afrikanischen Staaten die Relevanz des Seminars untermauert.
Bei der abschließenden Vergabe der Teilnahmezeugnisse haben mehrere Teilnehmende ihre Wertschätzung und Ermutigungen für Dr. Hirt und die Gruppe Anamed International im Allgemeinen ausgesprochen, sowie natürlich für die Wissensvermittlung während des Seminars gedankt.
Dr. Hirt hat den Teilnehmenden empfohlen, die Ideen von Anamed in ihrem persönlichen Umfeld weiterzugeben; ein Rat der sehr ernst genommen wurde, was sich daran zeigte, dass gleich mehrere Treffen zur Weitergabe des Gelernten in verschiedenen Gegenden Kameruns organisiert wurden. Teilnehmende aus dem Osten sowie dem Westen des Landes haben Aktionspläne entwickelt, was deutlich zeigt, dass Anamed an nationaler Bedeutung zu gewinnen verspricht.
Eine Petition zum Verbot schädlicher Seifenmarken in Kamerun wurde von allen Anwesenden unterzeichnet.
Das Seminar traf zudem auf ein beträchtliches mediales Interesse, was sich in Radiosendungen mit Dr. Hirt und Pastor Ngnitedem sowie mehreren Interviews wiederspiegelte.
Fazit
Die Organisation eines Seminars von Anamed in Yaoundé war von großer Wichtigkeit, da diese Stadt das Zentrum des Landes und damit die Drehscheibe verschiedenster Aktivitäten darstellt.
Der Enthusiasmus der Teilnehmenden zeigt deutlich, dass Anamed etwas Neues in diese Gegend und somit nach ganz Kamerun gebracht hat und wir hoffen, zu einer Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse und den Lebensbedingungen der kamerunischen Bevölkerung beigetragen zu haben. Ausführlich wurde anschliessend das Seminar evaluiert.x
Einige Photos des Seminars können eingesehen werden unter: www.anamediponi.monalbum.fr
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