Kamerun 2009 Reisebericht

Reisebericht von Hans-Martin Hirt

Seminarreise nach Kamerun vom 7. bis 29. Juli 2009

7. Juli: problemloser Abflug mit der Fluglinie Swiss von Stuttgart nach Zürich und weiter nach Yaoundé.

Mittwoch, 8. Juli: freundlicher Empfang am Flughafen durch Pfarrer Samuel und Weiterfahrt zum Zentrum Iponi, einem Gästehaus in der Umgebung von der Hauptstadt und schön gelegen.

Donnerstag, 9. Juli: Pfarrer Samuel hat einen 20 Jahre alten Toyota für 10 000 Euro erwerben können und damit fahren wir nach Mbwengi. Wir haben eine gute Fahrt von 9 bis 18 Uhr und kommen bereits bei Dunkelheit in Mbwengi an. Mbwengi ist ein katholisches Kloster, wie unsere Freunde sagen, am Ende der Welt, etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt Bamenda. Die Teilnehmer des Workshops begrüßen uns bereits dort im Chor. Es sind 27 Teilnehmer gekommen.

Am Freitag, 10. Juli, haben wir ein Treffen mit diesen Teilnehmern, das sind Teilnehmer, die bereits 1- oder 2-mal am Seminar teilgenommen haben. Das Thema dieses Wochend-Workshops ist die Konstitution (Satzung), d. h. wie geht es weiter mit anamed Kamerun, wie kann anamed Kamerun auf eigenen Füßen stehen. Das Problem war, dass die erste anamed Gruppe im Jahr 2007 in Kumbo gegründet wurde und nun inzwischen aber sehr viel mehr Leute in Bamenda aktiv sind als Kumbo. So war auch von den 27 Teilnehmern die Mehrzahl aus Bamenda und nur 6 Personen waren aus Kumbo. Es gab nun eine lange Diskussion, wie die Ehre dieser Kumbo-Delegation erhalten bleiben kann und dennoch die Geschäftsstelle von anamed Kamerun verlagert werden kann nach Bamenda. All das wurde mit vielen Emotionen erledigt. Am Samstag, den 11. Juli, hatten wir dann eine sehr gute Morgenandacht, anschließend eine Fortbildung zum Thema Moringa und Artemisia. Moringa wird im Bergland von Bamenda noch ganz wenig angebaut, zum einen, weil das Klima etwas kälter ist, zum anderen, weil zu wenig bekannt ist, wie Moringa richtig kultiviert wird. Was Artemisia angeht, so hatten wir viele Echos. Artemisia wird jetzt im großen Umfang angebaut, zwischen Kumbo und Bamenda, aber auch in anderen Städten, wie Douala oder Yaoundé. Und es sind Tausende von Pflanzen, die zurzeit wachsen und von den anamed Mitgliedern bereits in Packungen verpackt werden und zum Preis von etwa einem Euro pro Kur dann gegen Malaria vertrieben werden. Am gleichen Tag verabschieden wir uns noch vom Kloster in Mbwengi. Dies Kloster ist extrem billig und sehr ruhig gelegen, allerdings können maximal 30 Personen dort bleiben, und die Küche ist sehr extrem einfach und arm ausgestattet. Am Abend geht es zurück nach Bamenda in das Projekt „the healing garden,“ der heilende Garten, ein Waisenhausprojekt von Schwester Anne und Pfarrer Samuel. Inzwischen haben sie ein sehr schönes einfaches Gästehaus errichtet und meine Mitarbeiterin Rita und ich haben dort eine gute Unterkunftmöglichkeit. Da es Sonntag ist, darf ich eine Andacht halten in einem Minigottesdienst mit den Waisenkindern. Anschließend haben wir eine 3-Stunden-Wanderung in den Bergen. Wir lernen das Kind mit Namen Artemisia kennen. Es ist ein Kind, das von psychisch kranken Eltern in der Klinik abgegeben wurde. Es war gelähmt und HIV-positiv, und die Klinik hat es als hoffnungslos abgestempelt. Schwester Anne hat dann Artemisiatee tropfenweise in einer Spritze aufgezogen und es dem Kind dann immer wieder tropfenweise in den Mund getröpfelt, und dem Kind geht es jetzt gut. Wir sehen es auf dem Foto. Es ist völlig normal und bekommt weiterhin Artemisia und antiretrovirale Medikamente. Da die Gäste im Gästehaus vor einem Jahr von Banditen überfallen wurden, habe ich ein Warmsystem gebastelt und es jetzt an das Gästehaus abgegeben.

Montag, 13.Juli: Es regnet und wir sind verspätet, denn wir haben viel vor heute. Um 10:30 können wir abfahren und kommen eine halbe Stunde später in Bambui an. Bambui ist ein Dorf im Außenbezirk von Bamenda. Dort hat Pfarrer Samuel ein offenes Ohr gefunden, denn er hat bei verschiedenen Königen nachgefragt, ob sie bereit wären, für anamed ein kostenloses Gelände abzugeben.

In Bambui ist er dann fündig geworden und der dortige Fon, d. h. der König, hat dort zwei Gelände kostenlos an anamed gegeben und zwar einen ½ Hektar für die Erstellung von Gebäuden, Trocknungsraum, Gesundheitsstation usw. und ein 3 ½ ha großes Gebiet zum Anbau von Heilpflanzen. 3 ½ Hektar ist ein riesiges Gebiet. Wir wandern in diesem Gebiet. Es ist unten von einem Bach umgrenzt und oben von einem deutschen Schützengraben, denn im 1. Weltkrieg haben die Deutschen diesen Schützengraben gegen die Engländer angelegt. Diese 3 ½ Hektar sind sehr sehr fruchtbare Erde und ich staune, dass die Dorfbevölkerung akzeptiert hat, dass der König dieses Gebiet an die anamed Gruppe weitergegeben hat.

Mittwoch, 15.Juli: Heute geht die Fahrt von Bamenda nach Yaoundé. Leider wird unterwegs der Toyota Pickup immer schwächer. Wir erkundigen uns nach einer Garage und es wird uns die Garage „Idi Amin“ empfohlen. Was wir jedoch antreffen, ist eine total primitive Dreckwerkstatt, es ist, wie als würden wir im Slum sein. Immerhin drei Stunden lang wird der Motor ausgebaut und wieder eingebaut und ein neuer Riemen eingelegt und eine neue Kupplungsscheibe, das ist jetzt schon die fünfte Reparatur in fünf Tagen. Sie kostet 350 Euro, aber immerhin das Auto schafft es wieder weiter und kurz vor Mitternacht kommen wir in Yaoundé an. In den Nachtstunden treffen wir auch viele LKWs mit Tropenholz für den Export auf den Straßen an. Es ist sehr sehr traurig wie die Abholzung in Kamerun vorwärts geht und wie der Bevölkerung in der Nacht das Tropenholz gestohlen wird.

Donnerstag, 16. Juli: Wir machen Einkäufe, wir sind wieder im Gästehaus Iponi und wir besuchen das Gesundheitsministerium. Wir sind dort beim Stellvertreter des Gesundheitsministers beim Conseiller Technique. Er ist sehr freundlich und möchte sogar seine Frau zum Seminar senden. Wir besuchen das ökologische Museum und wir haben ein Radio- und Fernsehinterview.

Freitag, 17.Juli: Wir besuchen den 79 Jahren alten Professor Lantum, eine hohe wissenschaftliche und politische Autorität. Er ist Botaniker. Er verspricht uns in Sachen Quecksilberseife vorstellig zu werden, damit diese Quecksilberseifen endlich verboten werden.

Samstag, 18.Juli: Wir erforschen die Umgebung und schauen uns an, wo welche Heilpflanzen stehen. Die ersten Teilnehmer sind bereits da.

Sonntag, 19. Juli: Es werden immer mehr Teilnehmer. Eigentlich wollten wir 25 Leute haben, am Schluss sind wir 48. Wir besprechen mit Hubert und Nicola, den Besitzern des Gästehauses, wie wir mit solch einer großen Gruppe arbeiten können. Bis spät in die Nacht helfen sie uns, neue Betten aufzubauen.

Montag, 20. Juli: Das Seminar wird eröffnet, durch Professor Lantum. Und Professor Lantum beklagt sich, dass wir so weit abseits der Hauptstadt liegen. Er hatte große Schwierigkeiten uns überhaupt zu finden. Dieses Iponidorf wurde erst vor 12 Jahren dem Urwald abgerungen und dennoch ist es bereits sehr staubig und schmutzig und ein vermüllter Stadtteil geworden. Die Müllplätze werden direkt in den Urwald hineingelegt. Das Seminar geht bis zum Sonntag, den 26.Juli. Als Mitarbeiter haben wir Reverend Samuel, dann meinen kamerunesischen Mitarbeiter Désiré, dann Rita Nagel aus Deutschland. Wir müssen die gesamte Küche selber machen, denn das wäre so teuer gekommen, dass wir es nicht hätten bezahlen können. Das ist aber ganz gut. Wir haben eine tüchtige Frau, die Madame Luise, die mit einer Équipe von 10 Personen sowohl eine wirklich sehr abwechslungsreiche, biologisch wertvolle Küche präsentiert, die zusätzlich noch kostengünstig ist. Es gibt jeden Tag ein anderes Essen und es gibt zum Beispiel zum Frühstück ein ganzes Büffet von Tropenfrüchten. Die Küche allein, wie man sich gesund ernähren kann, wäre bereits ein Seminar wert gewesen. Die Madame Luise ist nach der Präsidentin, der Schwester Anne, die Vizepräsidentin von anamed Kamerun. Dank der guten Vorbereitung durch Reverend Samuel können wir das gesamte anamed Programm in einer Woche durchziehen. Jeder Teilnehmer hat selber einen kleinen Heilpflanzengarten mit Moringa-, Neem- und Artemisiasamen nach Haus nehmen können. Wir haben einen großen Heilpflanzengarten im Gästehaus angelegt. Jeder bekam drei Poster und verschiedene Literatur nach Hause. Wir haben zwei Tage lang über Malaria und Artemisia gesprochen. Wir haben den schwarzen Schlangenstein produziert. Wir haben einen Solarofen besprochen bzw. diskutiert, wie man ihn produzieren kann und haben ihn die ganze Woche lang über verwendet. Wir haben Zucker-Salz-Lösung gemacht gegen Durchfall. Wir haben verschiedene Seifen produziert. Wir haben Mittel gegen Hauterkrankungen produziert. Wir haben Knoblauchöl produziert. Wir haben Krätzeöl gemacht. Wir haben Kosmetikprodukte produzieren können, die Rheumasalbe bis hin zur Schuhcreme. Wir haben lang und breit diskutiert, wie man AIDS-Patienten besser versorgen kann und wir haben vor allem diskutiert und gezeigt, wie man von der Pflanze zum Medikament kommt. Also, das fachgerechte Ernten, das fachgerechte Trocknen, das fachgerechte Lagern, das fachgerechte Verarbeiten zu einem Medikament, das dann wieder fachgerecht gelagert wird und somit fünf Jahre haltbar ist. Jeder Tag wurde begonnen mit einer biblischen Andacht, zu der alle 48 Teilnehmer regelmäßig kamen. Abends wurden Dias gezeigt oder die einzelnen anamed Gruppen haben sich zusammengefunden, um über die Zukunft zu diskutieren. Die Teilnehmer kamen ja aus dem ganzen Land bis hin aus dem hohen Norden, aber auch aus dem Tschad oder aus dem Niger. Die Frau aus dem Niger war sechs Tage lang unterwegs, um zu uns zu kommen.

Am letzten Tag, am 25. Juli, haben wir eine drei Stunden lange Abschlusszeremonie mit Gebeten und Gesängen und Übergabe der Zertifikate. Dieses Seminar war überaus positiv, auch die Evaluation war überaus positiv. Die Leute waren sehr zufrieden, mit dem Unterricht als auch mit der Übernachtung und dem Essen. Das Seminar war sehr effektiv vorbereitet, und wir haben nun eine detaillierte Satzung auf 8 Seiten, die beschreibt, was ein Mitglied von Kamerun anamed alles für Rechte und Pflichten hat. Wir haben eine sehr aktive anamed Gruppe mit Sitz in Bamenda und kleinere Gruppen im ganzen Land zerstreut. Von daher gilt mein Dank auch dem Verein Parmed, der uns finanziell half, dieses Seminar durchzuführen. Wir haben in dem Seminar insgesamt 25 000 Euro verbraucht, denn wir haben noch Poster und Bücher, jetzt nicht nur in Englisch, sondern auch in Französisch drucken lassen, in Kamerun.

Montag, 27. Juli: Es werden verschieden Patienten zu mir gebracht, insbesondere ein Junge mit einem schwarzen birnengroßen Hautkrebs auf der Wange. Wir versuchen, was wir mit Artemisia innerlich und äußerlich tun können. 

Dienstag, 28. Juli: Eine Parlamentsabgeordnete besucht uns noch und will sich für die Belange von anamed aktiv machen, allerdings sind fast alle Autoritäten in Kamerun immer daran interessiert, irgendwelche production units, irgendwelche Fabriken aufzumachen mit unserem Wissen und können nicht recht verstehen, warum wir derart auf Hilfe zur Selbsthilfe aus sind. Am Abend begleiten mich fünf Personen zum Flughafen und am Mittwoch, 29. Juli, komme ich wieder gut zurück nach Stuttgart.

 

[Home] [world: anamed groups] [world: anamed seminars] [English Home] [Contact] [Donations] [Who we are ...] [anamed artemisia programme] [anamed publications] [Books in the UK] [papers and reports] [Downloads] [Deutsch Home] [Bestellungen] [Termine] [Français Home] [Italian Home] [Portuguese Home] [Spanish Home] [Publications Updates]